Tagebuch
     
Unsere Schwarzpinseläffchen

Seit Ende Juli 2009 befinden sich zwei neue Affenart in unserem Zoo, es ist eine kleine Familie Schwarz-pinseläffchen, bestehend aus einem Zuchtpaar und ihrem 1-jährigen Sohn und ein Geschwisterpaar Toten-kopfäffchen. Das Weibchen der Schwarzpinseläffchen ist wieder tragend. Da ich keine Informationen aus der Vorgeschichte dieser Tiere habe, weiß ich nicht, wann der Entbindungstermin von einer ca. 145- tägigen Trage-zeit sein wird. Also heißt es, die Tiere beobachten.
Nach dem das Weibchen immer runder wurde, bekam sie am 19. September Zwillinge, um die sie sich hervor-ragend eine Woche lang allein kümmerte. Der Vater unternahm alle möglichen Versuche, um ihr beim Tragen der Babys zu helfen, jedoch kassierte er nur Backpfeifen, aber Beharrlichkeit führt doch zum Ziel und nach einer Woche durfte er sie auch übernehmen und das Weibchen holte sie sich von da an nur noch zum Stillen.
Nach knapp 3 Wochen bemerkte ich, dass das Weibchen einen sehr müden Eindruck machte (hatte ich auch schon bei anderen Krallenaffenmüttern beobachtet, Stillen strengt eben doll an), aber es wurde immer schlimmer und obwohl sie sehr gut fraß, verstarb sie am 10. Oktober 2009.

Handaufzucht Größenvergleich Verdauungsschläfchen bei der Aushilfsmutti
Die Schwarzpinselzwillinge blieben nach dem Tot ihrer Mutter bei Vater "Udo" und großem Bruder "Uli". Da "Udo" seine beiden Kinder mir aber nicht freiwillig zum "Fläschchen" brachte und es immer eine mächtige Hascherei im großen Gehege gab, und das Stress für alle Beteiligten war, beschloss ich alle 4 in einen kleineren Käfig zu setzen, wo der Zugriff auf die Babys leichter wurde.

Das Anfangstränkgewicht betrug für "Fix" und "Fox", die Affenknaben, 26 und 28 Gramm. Sie tranken in den ersten Tagen, in denen sie sich an das "Spritzenfläschchen" mit Katzensauger gewöhnen mussten, 1ml pro Mahlzeit und das alle 4 Stunden, auch in der Nacht. Nach 1 Woche hatten sie schön zugenommen, "Fix" wog 34 und "Fox" 38 Gramm. Aber am 17.10. lag "Fox" morgens kalt auf dem Käfigboden (ich dachte es hat sich erledigt, bis ich bemerkte, dass ein ganz schwaches Pochen unter der Bauchdecke zu fühlen war). Normalerweise trug Papa "Udo" beide Babys immer am Mann. Bruder "Uli" war noch zu unerfahren und hatte keine Babytrageerlaubnis.
Um jetzt kein Risiko einzugehen, entließ ich Papa "Udo" und Bruder "Uli" in ihr großes Zuhause und nahm die Zwillinge mit in die Wohnung. "Foxi" erholte sich rasch und beide fingen pünktlich im Alter von 4 Wochen an, "feste" Nahrung (Bananenbrei) zu kosten. Die beiden Äffchen nahmen konstant zu und hatten ihr Gewicht in der 7. Woche verdoppelt.
Stiefmutti im Bild oben Beim Wiegen: 164 Gramm mit Decke Immer Hunger
Eine große Überraschung, der Zoo Hoyerswerda gab uns Ersatz für das verstorbene Weibchen. "Moni" wurde ohne Probleme von den beiden Männern aufgenommen. Die erste Nacht musste sie noch allein schlafen, in der 2. Nacht ging sie mit in die Schlafhöhle der Jungs, dann wurden "Udo" und "Uli" aber überzeugt, mit in ihr Körbchen schlafen zu kommen. 3 Tage nach "Monis" Ankunft, wagte ich am 1.11. die Zwillinge zu den Erwach-senen zu geben! Ich hatte Glück, Papa "Udo" empfing seine beiden Söhne, nahm sie sofort auf seinen Rücken und brachte sie aus meiner Reichweite. "Moni" und "Uli" waren sehr interessiert und es blieb alles friedlich. Zum Abend habe ich mir die Babys wieder geholt, nicht ganz freiwillig von Papas Seite aus, aber sie brauchten ja noch ihr Fläschchen. Nach dem Frühstück gingen die Zwei zurück zu ihrer Familie. Ich musste mir immer neue Tricks und Bestechungen, mittels Schwarzkäferlarven einfallen lassen, damit mir "Udo" die Zwillinge zum Tränken gab. Das klappte noch ein paar Tage, dann spielte keiner mehr mit.
Im Alter von 8 Wochen bekam ich beide noch einmal gefangen und konnte sie wiegen. Sie brachten jetzt ein Gewicht von 67 und 74 Gramm auf die Waage. Das zeigte mir, dass sie genug feste Nahrung aufnahmen und gut zugenommen hatten.
 
 

     

Rita ist Klaus und Klaus heißt nun Rita

Die beiden Bennett-Kängurus, die zum Beginn der kalten Jahreszeit im Jocksdorfer Affen-Zoo Einzug hielten, haben dort inzwischen mit einem Geschlechtertausch für gewaltige Verwirrung gesorgt. Im Tausch gegen zwei Weißbüscheläffchen hatten Sybille und Stefan Mai am 30. September aus dem Tierpark Finsterwalde ein Känguru-Männchen erhalten. Seine angebliche Gefährtin kam kurze Zeit später aus dem Zoo Hoyerswerda. „Der schüchterne sensible Klaus und die größere mollige Rita“ - die RUNDSCHAU berichtete - bezogen damals ein „Eigenheim“ im Australiengehege. „Vielleicht gibt es bereits im kommenden Jahr Nachwuchs“, hofften die Mai´s. Der hat sich inzwischen – schneller als gedacht – eingestellt. Mutter wurde jedoch nicht Rita, sondern Klaus. Ins Grübeln gerieten die beiden Affenzoo-Betreiber jedoch bereits einige Wochen zuvor, als andere Känguruhalter von „deutlich größeren Männchen“ sprachen. Ende Januar schaute auf einmal ein kleiner Kopf aus dem silbergrauen Buchfell des als Känguru-Bock deklarierten Exemplars. Die Überraschung war perfekt! „Wir werden nun wohl einfach die Namen tauschen“, sagt Sybille Mai Inzwischen streckt der Nachwuchs bereits täglich das zierliche Köpfchen mit den riesigen schwarzen Knopfaugen und den spitzen kleinen Ohren aus der Beuteltasche seiner Mama und erkundet so aus dem behaglich warmen Schlafsack heraus die Umgebung. So machen Winterspaziergänge auch bei Minusgraden Spaß. „Die Bennet-Kängurus stammen aus Tasmanien, wo ebenfalls bitterkalte Winter auftreten. Unsere Exemplare sind mit ihrem besonders dichten Fell deshalb auch bestens an die Witterung in der Lausitz angepasst“, erklärt Sybille Mai. „Wahrscheinlich war das Weibchen bereits zum Zeitpunkt seiner Ankunft in Jocksdorf „guter Hoffnung“, rätselt Stefan Mai. Auch die Übersiedlung des gummibärchengroßen Känguru-Embryos nach einer Tragezeit von 28 bis 30 Tagen in die Felltasche hat sich unbemerkt von den Tierbetreuern vollzogen. „Dann könnte der Winzling jetzt bereits drei Monate alt sein und Ende des kommenden Monats selbständig erste kleine Ausflüge unternehmen“, rechnet Sybille Mai nach. Theoretisch könnte sich im „Mutterbeutel“ bereits weiterer jüngerer Nachwuchs aufhalten, denn die Natur hat die Kängurus mit zwei Zitzen, eines mit spezieller Jungtiernahrung für das Jüngste und nahrhafterer Milch für das Erstgeborene versehen. Wie das aussieht - darauf sind auch die Mai´s gespannt. „Abbildungen in der Fachliteratur haben wir bislang vergeblich gesucht“, bekennen sie. Das Weibchen hat sich unterdessen als fürsorgliche Mutter erwiesen, säubert täglich mit der Zunge die Wohnhöhle des Sprösslings. „XY“ – so hat die Familie Mai das Mini-Känguru getauft. „Weil es uns mit seinem Erscheinen so große Rätsel aufgab“.

Hintergrund

Bennett-Känguruhs stammen ursprünglich aus den Eukalyptuswäldern im Südosten Australiens und Tasmaniens. Sie weisen deutliche Größenunterschiede zwischen den Geschlechtern auf. Die Männchen bringen zwischen 15 und 24 Kilogramm auf die Waage, während die Weibchen nur 12 bis 13 Kilogramm wiegen. Der Beutel der Weibchen enthält vier Zitzen, von denen nur zwei Milch geben. Die Schwangerschaft dauert 30 Tage, dann gebiert das Weibchen meist ein Junges, das noch völlig unausgereift entlang einer von der Mutter gelegten Speichelspur in den Beutel krabbelt. Dort wächst es in den nächsten neun Monaten heran. Mit 12 – 17 Monaten wird es entwöhnt.
 
Text: Lausitzer Rundschau vom 12.03.2010
Fotos: Angela Hanschke
     

Sorgen mit unseren Känguruhs

Wie aus einschlägigen Zoosendungen bekannt, können Känguruhs eine dicke Backe bekommen. Diese kann so schlimm werden, dass es den Kiefer und auch die Zunge angreift, Diagnose - Nekrobazillose. Zuerst wurde unser Jährling operiert und mußte dann 3 Wochen lang täglich mit einem Antibiotikum gespritzt werden. Es ist alles sehr gut verheilt.
Dank an unseren Tierarzt Uwe Dunst.
Jetzt haben wir uns "Rita" vorge-nommen. Sie hatte eine Beule auf der Oberlippe und eine dicke Backe.
Es war nicht Nekrobazillose, sondern in beiden Fällen ein Melanom. Beide olivengroßen Melanome wurden erfolgreich entfernt und wir hoffen, dass es auch gut heilt. Ein kleines anfängliches Problem war das Baby im mütterlichen Beutel, denn Mutti mußte zur OP ja narkotisiert werden und wie könnte eine Känguruhbabyaufbewahrung aussehen?
Natürlich in einem Einkaufsstoffbeutel. Diese Gelegenheit mußte gleich beim Schopfe gepackt werden und nun können wir Ihnen einmal einen Känguruhbeutel von innen zeigen. Sie sehen 4 Zitzen, von denen eine benutzt wird. Am 19. Mai ist "Klaus" an der Reihe und alle hoffen, dass es auch so glatt abläuft. Wir werden weiter berichten.